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Dingpflege// Bolle Milchflasche/1950

2009/04/19

Für ein Jahr bin ich „Dingpflegerin“ und kümmere mich um die Bolle Milchflasche aus dem Jahr 1950, die im Werkbundarchiv | Museum der Dinge, Berlin ausgestellt ist.

Alltagsdinge sind einbezogen in Muster der Wahrnehmung, Geschichte(n) und Erfahrungen. Von ihnen aus werden Wünsche und Erinnerungen gleichermaßen geweckt. Mehr als ein nützlicher Gegen-Stand, sind die Dinge Medien, die mir meine Welt eröffnen.

Die Milchflasche ist für mich mit Kindheit verbunden, indem sie fast vergessene Erlebnisse in Schulpausen, Ferien wieder greifbar werden lässt. Im Alltag heute ist Milch für mich wichtiges Lebensmittel, aber in anderen Behältern, während die Milchflasche für ein (zu) teures und auch schlecht zu transportierendes Produkt steht, das ich mir nur selten leiste.

Mit der „Pflege“ der Bolle Milchflasche will ich die Bilder und Erlebnisse, die sie bei mir wach gerufen hat, ergänzen und vertiefen um die Recherche der Rolle, die sie im Alltag anderer gespielt hat und welche Erfahrungen sie noch heute vermittelt.

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Spurenlese//2 Périphérique

2009/02/22

Die Fotografien der Serie “Périphérique” von Mohamed Bourouissa  wirken auf den ersten Blick wie eine Spurenlese im Alltag, die zufällige Szenen in den Pariser Vorstädten dokumentiert. Doch die Bilder sind inszeniert und folgen einer “emotionalen Geometrie”, wie Mohamed Bourouissa die Verortung und Anordnung von Spannung im Raum bezeichnet. Es geht um den Moment, in dem die Spannung den extremen Punkt erreicht, an dem alles passieren kann oder nichts. Alltägliche Szenen wie eine beiläufige Begegnung, die gleichwohl eine aggressive Stimmung provoziert, gewinnen gerade durch die Künstlichkeit ihrer Inszenierung an Aussagekraft. Klischee und Stereotypen gegenüber den Jugendlichen in den Vorstädten, wie sie im Bemühen um authentische Darstellung in den Medien oftmals transportiert werden, demontiert Bourouissa. Die Folgen der sozialen Ausgrenzung werden ohne moralische Anklage sichtbar durch die präzise Komposition von Körpersprache, Mimik und Kleidungsstil der Jugendlichen, die sie als Akteure zeigt.

Les images « Périphériques » ont pour thème la banlieue. Si je pars d’une base sociale, mon travail est pourtant d’ordre plastique fonctionnant sur une géométrie émotionnelle. C’est un placement et une organisation de la tension dans l’espace qui est mise en avant. Elle met en scène la banlieue en tant qu’objet conceptuel, artistique dans des situations qui d’ordinaire seraient du ressort du photo-journalisme. En démontant les clichés de ce sujet, je traite de la problématique du rapport de force et pose la question de la mécanique du pouvoir. Mohamed Bourouissa

Die Fotoserie “Périphérique” ist online hier zu sehen. Sie wird bis zum 24.Mai 2009 im Rahmen der Ausstellung “Tense Territories” im Finnish Museum of Photography gezeigt.

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Alltagslabor// Um was geht es?

2009/02/13

Im  letzten Jahr habe ich den Blog gestartet unter dem Titel “Interkultureller Alltag”. Anlass war die intensive Auseinandersetzung mit interkulturellen Themen, Trainings und Methoden im Rahmen des Projekts, das ich von September 2007 bis  September 2008 geleitet habe. Was fort besteht, ist mein Alltag, der durch interkulturelle Erfahrungen geprägt ist. So wird “Interkultur”  im Blickpunkt bleiben, nun unter der Perspektive “inter//kultur”,  die allen alltäglichen kulturellen  Praktiken, Denkmustern, Handlungsweisen und Dingen gilt.

“social//media” kommt als weiteres Themenfeld hinzu:  auch hier geht es um alltägliche Erfahrungen, wie Medien neue Erlebnisräume für gesellschaftliches Denken und Handeln eröffnen.  Hier fließt zum einen die Diskussion aktueller  Medientheorie ein, wie ich sie in meiner wissenschaftlichen Arbeit verfolge, zum anderen gilt das Interesse den sozialen Netzwerken und Formen interaktiver Mediennutzung und -gestaltung, die als “Web 2.0″ bezeichnet werden.

“Alltagslabor”  schließlich verbindet Blog und meine weiteren Untersuchungen der Alltagskultur, die ich als Spurenlese in den Dingen, Ereignissen und Praktiken verstehe.

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re/positionierung// Critical Whiteness

2009/01/23

Am 23.Januar 2009 habe ich in der Veranstaltungsreihe “re/positionierung – Critical Whiteness/Perspectives of Color” wichtige Stationen und Postionen der Kritischen Weißseinsforchung vorgestellt.

*AUFTAKT: POSITIONIERUNG!

*Eine Positionierung ist für einen gleichberechtigten Dialog über hierarchische Strukturen unerlässlich. Die Begriffe “People/Menschen of Color” und “Weiß” stellen eine Möglichkeit dar, die Positionen innerhalb dieses ungleichen Konfliktes zu benennen, zu besprechen und zu hinterfragen.
Wir werfen einen Blick auf Definitionen und Geschichte dieser Begriffe und erörtern ihre Bedeutung für einen reflektierten Umgang und den gemeinsamenKampf gegen Rassismus.

Fr, 23. Januar 2009
17:00h: *Einleitung*
AG re/positionierung (D)

18:00h: *People of Color: Empowerment und selbst-reflexive Identitätspolitik
Kien Nghi Ha
(Vortrag/D)

20:00h:* Doing Whiteness*
Jutta Franzen
(Vortrag/D)

Es folgte eine lebhafte und kontroverse Diskussion. Der Kritik konnte ich nicht in allen Punkten folgen, da mir als Referentin Postionen angelastet wurden, die ich als Praktiken des “Doing Whiteness” dargestellt hatte.  So bezog ich mich z.B. auf Bildmaterial einer Studie, die auf der Website des Projekts genannt ist, das nun als “unerträglich”, “rassistisch” nicht zu sehen gewünscht wurde. Es ist aber nicht möglich über “Doing Whiteness” zu sprechen, ohne genau diese Markierungen zu zeigen – denn “Whiteness” funktioniert gerade dadurch, dass es in dieser gesellschaftlichen Funktion unsichtbar und unausgesprochen bleibt.

Mein Beitrag wird in einer längeren Textversion demnächst online abrufbar sein und Anregungen aus der Diskussion aufnehmen. Nochmals herzlichen Dank für die Einladung und den regen Austausch!

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Naqsh// Einblicke in Gender und Rollenbilder in Iran

2008/07/26

Die Ausstellung “Naqsh” im Pergamonmuseum Berlin setzt sich mit dem Thema “Gender, Feminismus und Islam” in künstlerischer und wissenschaftlicher HInsicht auseinander.

Naqsh kommt aus dem Persischen und bedeutet Abbild und Muster, aber auch Rolle.
Dabei geht es nicht allein um Frauen oder Frauenbilder. Vielmehr zeigen die ausgestellten Arbeiten das Leben in unterschiedlichen Geschlechteridentitäten unter den politischen, gesellschaftlichen und religiösen Bedingungen des Alltags.

Die Kunstwerke werden begleitet von dokumentarischen Audio- und Videointerviews , in denen Repräsentantinnen des säkularen und islamischen Feminismus und ein transsexueller Mann neben Wissenschaftlern und Aktivistinnen zu Wort kommen.

Beteiligte Künstler/-innen
- Bita Fayyazi
- Parastou Forouhar
- Alireza Ghandchi
- Shirin Homann-Saadat
- Ahmad Morshedloo
- Neda Razavipour
- Maryam Salour

Interviewpartner/-innen (Audio)
- Mansoureh Shojaee
- Dr. Elaheh Kolaee
- Maziar Gilani

Interviewpartner/-innen (Video)
- Dr. Mehrdad Darvishpour
- Dr. Shahin Navai
- Roja Bandari

Pergamonmuseum Berlin, Museum für Islamische Kunst
Am Kupfergraben 5
10117 Berlin-Mitte
10. Juli – 07. September 2008

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Stereotype und Vorurteil// Jens Förster 19.Mai 08

2008/05/17

Am 19. Mai 08, 19:00 hält Jens Förster im Rahmen der Sonderausstellung »typisch! Klischees von Juden und Anderen« im Jüdischen Museum Berlin den Vortrag: »Wir alle haben Vorurteile – aber wie werden wir sie wieder los?«

Jens Förster, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Amsterdam, gibt einen Einblick in die aktuelle Vorurteilsforschung und geht der Frage nach, warum wir Vorurteile haben und ob wir überhaupt vorurteilsfrei leben könnten.

In seinem aktuellen Buch “Kleine Einführung in das Schubladendenken, Über Nutzen und Nachteil des Vorurteils” hat Förster die Wirkkraft von Stereotypen und Vorurteilen bezogen auf wissenschaftliche Studien und autobiografische Erfahrungen “anschaulich und klug” ( Neue Zürcher Zeitung ) aufgezeigt.

Bereits im November 2007 sprach Förster in Berlin an der Humboldt Universität im Programm der Gender Lectures zum Thema “Wie Vorurteile unsere Leistung verbessern und verschlechtern können. Eine sozialpsychologische Perspektive.”

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Medien// Interkulturelle Bildung

2008/05/08

Die Idee, dass ein Medium im Sinn des „apparare“ etwas zum Vorschein bringt, das es ohne das Medium (noch) nicht gab und somit eine neue Erfahrungswelt eröffnet, prägt seit Mitte der 90er Jahre auch die medienpädagogischen Leitfrage: Fortan werden Medien unter dem Aspekt untersucht und diskutiert, in wie weit sie Handlungsmöglichkeiten erschließen, kommunikative und ästhetische Erfahrungen ausbilden bzw. erweitern.

Medien bleiben weder gegenüber dem, was sie vermitteln noch gegenüber dem, der sie anwendet, wie ein Werkzeug äußerlich, sondern bewirken neue Welterfahrungen und entfalten Fähigkeiten in der Performanz gesellschaftlicher Praktiken. Der angemessene und erfolgreiche Umgang mit den Medien -Medienkompetenz- ist stets in Alltagssituationen eingebunden, auf soziale Handlungspotentiale und kulturelle Wahrnehmungsmuster bezogen.

Medien eignen sich daher bestens, um das Verhalten in interkulturellen Situationen aufzuzeigen und den Erwerb interkultureller Kompetenz zu unterstützen. Insbesondere Jugendliche werden für die Auseinandersetzung mit neuen Inhalte gewonnen, wenn sie auf dem Stand ihrer Medienkompetenz abgeholt werden und über den vertrauten, alltäglichen Umgang mit Internet, Mobiltelefon, Digitalkamera den Zugang zu neuen Themen und Perspektiven finden.

Sich z.B. mit der (Mobilfon)-Kamera auf “Spurenlese” im eigenen Alltag zu begeben, lässt Eigenes wie Fremdes aufmerksam wahrnehmen. Techniken wie Kontrolle emotionaler Betroffenheit, Achtsamkeit, Empathiefähigkeit und Persepktivenwechsel für den angemessenen Umgang in interkulturellen Situationen werden durch diese Erfahrungen unterstützt.

Näheres unter: //2 Praktiken//Actions

vgl. Sybille Krämer, Das Medium als Spur und als Apparat, in: id. (ed) Medien, Computer, Realität, 2.Aufl. 2000, p. 73-94

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Kunst und Kultur im interkulturellen Dialog

2008/05/04

Unter dem Motto „Negociating differences“ wurde in der zweiten „Brussels Debate“ am 02.April 2008 die bedeutende Rolle und die Verantwortung von Künstlern und Kultureinrichtungen für den Dialog zwischen Kulturen und den Umgang mit Differenzen und Fremdheit hervorgehoben.

Ahmet Polat, 2nd Brussels Debate 2008
Video:Brigtcove.TV

Der Fotograf Ahmet Polat erläuterte, wie das Medium der Fotografie einen Perspektivenwechsel fördert, der das Eigene wie das Fremde besser verstehen lässt.

Jette Sandahl, Direktorin des Stadtmuseums Kopenhagen, zeigte auf, dass Identität als ein Prozess zu begreifen ist zwischen Tradition und kulturellem Erbe einerseits und der Öffnung für neue Formen und vielfältige kulturelle Einflüsse andererseits.

Quelle Foto und weitere Details:
DG EAC European Year of Intercultural Dialogue 2008

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Global Alien// Congress of Culture// Berlin

2008/05/03

Vom 01. März bis zum 27.April fand im Kunstraum Kreuzberg/ Bethanien ein Ausstellungsprojekt des Network >Global Alien< statt. TheoretikerInnen und KünstlerInnen aus Deutschland, Korea, Island, Dänemark, Japan , Österreich und den Philippinen arbeiten vernetzt, um im Austausch verschiedener Kulturen einen lokalen Zusammenhang produktiv anzueignen. BesucherInnen waren aufgefordert, Teil des Projekts zu werden, indem sie sich auf die fremde Umgebung einließen, die ihnen die Ausstellung zeigte. Mehrere Workshops, Performances und Filmscreenings vertieften die Auseinandersetzung mit der eigenen kulturellen Identität und ihrer wechselseitigen Beziehung zum Fremden.
Details: www.globalalien.net

Eine der Arbeiten, die mir besonders aufgefallen sind:

Christoph Mayer chm, Lines, Bethanien 2008

Lines//Christoph Mayer chm

Ausgerechnet Grenzen als der Kommunikation dienlich zu behaupten, überrascht, ist aber konsequent, wenn Grenzen als Interaktionen des Grenzziehens und damit in ihrer kulturellen und sozialen Verhandelbarkeit verstanden werden.

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Eigenes und Fremdes// Ein Kreidestrich

2008/05/02

Eigenes und Fremdes stehen einander nicht als Gegensätze gegenüber. Sie implizieren vielmehr einen unendlichen Prozess der Annäherung, der Beziehung zu- und aufeinander, die jeweils eine Grenze markiert, die – einem Kreidestrich gleich – stets wieder neu gezogen und überschritten werden kann.

Ein Kreidestrich

Straßenpflaster// juttafranzen 2007

Gerade indem das Eigene nicht aufgegeben wird, kann dem Unbekannten und Verschiedenem mit Neugier und Empathie begegnet werden, so dass sich Respekt und nicht Furcht oder Ablehnung vor dem Fremden entwickeln.