Interkultureller Alltag – warum?

Die Globalisierung erfordert und eröffnet neue Praktiken gesellschaftlichen Denkens und Handelns. Die internationalen Verflechungen gehen mit einem verstärkten Austausch mit anderen Kulturen einher, durch den die Beziehung von Eigenem und Fremden zur alltäglichen Erfahrung wird.

Mit Tokkata und Fuge hat Julia Kristeva die moderne Bedeutung des Fremden beschrieben: ein Spiel ohne Ende und Schranke, in dem die Differenzen variieren, gegeneinander laufen , einander reflektieren ohne sich zu vermischen oder zu vereinnahmen. ( Julia Kristeva, Fremde sind wir uns selbst, Ffm 1990) Im Alltag wird dieses Spiel zu einer Auseinandersetzung mit dem Fremden, die den Regeln gesellschaftlicher Praktiken und politischer Strategien folgt.

Multikultur, Transkultur, Leitkultur und schließlich Interkultur stehen für Modelle, die hierzu unterschiedliche Wertvorstellungen und Regelsysteme umfassen. Das Konzept des Interkulturellen zielt insbesondere auf die Zwischenräume und Zwischenperspektiven im Verhältnis von Eigenem und Fremden ab. Es erscheint am ehesten geeignet, Orientierungsmuster für einen Alltag vorzugeben, in dem eine kritische Begegnung und ein konstruktiver Dialog zwischen den Kulturen vorherrschen.