//Heimat | Ein sperriger Begriff

Heimat ist ein sperriger Begriff – typisch deutsch (so gibt es im Englischen wie im Französischen keine gänzlich adäquate Übersetzung) und im Laufe seiner Geschichte von Anbeginn zwiespältig und umstritten.

In den Befreiungskriegen gegen Napoleon diente Heimat als Kampfbegriff. Der fast zeitgleichen Romantik bot Heimat die Vorstellungen von Verwurzelung, Harmonie, Sehnsucht, die sowohl ihre Kritik an Aufklärung und Vernunft als auch die aufkommenden nationalistischen Strömungen unterstützen. Vom Nationalsozialismus wurde Heimat in die Blut- und Bodenideologie eingebunden, so dass der Begriff lange Zeit negativ konnotiert war.

Auch die Heimatfilme, die in der Nachkriegszeit Furore machten mit ihren Bildern einer heilen Welt und kleinbürgerlichen Idylle trugen nicht dazu bei, das Image des Heimatbegriffs zu verbessern. [1]

Fernsehturm Berlin 2009

Hometown Berlin 2009

So war ich zunächst skeptisch, als „Heimat „ auf einmal „trendy“ wurde und ich im letzten Jahr statt zur Party zum „Heimatabend“ eingeladen wurde. „Heimat: ein Gefühl von Geborgenheit, Freundschaft und Freiheit — dort, wo man sich nicht erklären muss. Die Toleranz unserer Stadt gegenüber allen denkbaren Lebensformen, die Vielfalt und Andersartigkeit, lässt sie zur Heimat für immer mehr kreative und feierwütige Menschen aus aller Welt werden. Dies feiern wir mit einem “Heimatabend”- so lautete die Ankündigung zum Heimatabend im Festsaal Kreuzberg, der auch ich nur zustimmen konnte.

Und nun im Jüdischen Museum eine Ausstellung zur „Heimatkunde“: Auch hier werden „Vertrautheit, unumstrittene Zugehörigkeit, aber auch das Recht zu jammern und zu klagen“ als kennzeichnend für Heimat hervorgehoben.
30 KünstlerInnen nehmen Deutschland als Heimat wahr; ausgewählt wurden Arbeiten, die in den letzten 10 Jahren entstanden sind. So ist es gelungen, dass die Ausstellung vielfältige Blicke auf die Heimat Deutschland präsentiert, von KünstlerInnen verschiedenen Alters, unterschiedlicher Herkunft und mit ganz persönlichen Bezügen zur jüngsten Geschichte.

Die Arbeiten, die mir besonders gefielen und mich erneut anregten, über Heimat nachzudenken und meine Vorbehalte gegenüber diesem Begriff, werde ich in den nächsten Tagen hier vorstellen.


[1] Zum Heimatbegriff vgl.  Peter Blickle,  Heimat: A Critical Theory of the German Idea of Homeland, Camden House 2002, Paperback Reprint 2004