//Hitparade? Hörtauglich?

Hitparade – ein Wort, das ich lange nicht mehr gehört habe.  Wenn, dann ging es um Musik, die ich lieber auch nicht hören mochte.

lost in music | foto: juttafranzen

Nun startet  am 15.02.14 mit Unterstützung vom Spex-Magazin eine vorgeblich “zeitgemäße Hitparade”: die Musikshow “The One-Hit-Parade”  unter der Leitung von Martin Hossbach.

Zum einen wird das Format des alten Musikfernsehens aufgenommen, indem KünstlerInnen nach einem Kurzinterview ein Musikstück spielen – zum anderen ist mit der Kantine des Berghain ein Aufnahmeort gewählt, der in der Jetztzeit angekommen ist, und auch die Sendung erfolgt nicht mehr im klassischen TV, sondern online.

Bleibt zu wünschen, dass auch die Auswahl der KünstlerInnen eher  hör- und playlist-taugliche gute Musik bietet.  Der Anfang mit M.E.S.H. ist jedenfalls schon mal #worthlistening:

Mehr zum Programm und Reinhören gibt es hier: One-Hit Parade

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#twinterviews |Im Gespräch via twitter

Twitter zu nutzen, um ein Interview zu führen, ist nicht neu, aber noch ungewöhnlich, vor allem für einen wissenschaftlichen Austausch.  Die AG Digitale Geschichtswissenschaft startet im Januar eine Reihe von #TwInterviews zu aktuellen Projekten.

Unter dem Hashtag #AskaCurator  hat bereits seit 2010 eine Reihe von Gesprächen mit Experten aus der Kunst- und Museumszene auf twitter statt gefunden, die rasch zu einem der weltweit führenden Trends in der twitter-community avancierte. (The Guardian, Mar Dixon, 2013-09-05)

Das interessierte Publikum kann Fragen stellen, dies es bewegen, für die es bislang aber keine Ansprechperson gefunden hat; KuratorInnen kommen mit den BesucherInnen ihrer Ausstellungen in Kontakt. Der Prozess des Kuratierens gewinnt an Transparenz: zu den häufigsten Fragen zählt, welche Kriterien die Auswahl der Objekte bestimmen, oder auch wie die eigene Rolle des Kuratierens wahrgenommen wird.

#Wissenschaftskommunikation

Die AG Digitale Geschichtswissenschaft lädt zwischen 10. Januar 2014 und 31.Januar 2014 dazu ein, im Gespräch via twitter zu aktuellen Projekten in der Geschichtswissenschaft mehr zu erfahren. Dieses Format des Austauschs ist für die beteiligten WissenschaftlerInnen ein noch ungewöhnlicher Weg, Projekte vorzustellen  und mit Fachpublikum sowie interessierter Öfffentlichkeit zu erörtern.

Vorteile bieten sich für alle Beteiligten:  Öffnung der Wissenschaft für gesellschaftlich relevante Fragen, Transparenz und besseres Verständnis von Forschungsprozessen, prägnante Diskussion durch die gebotene Kürze der Fragen und Antworten.

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Digitale Geschichtswissenschaft | TwInterviews zu aktuellen Projekten  [2014-01-04]

What would you ask a museum curator? Twitter can help.
The Guardinian, Mar Dixon, 2013-09-05 [2014-01-04]

twitter #AskaCurator

Weitere Informationen:
What does twitter have to offer academics?
Digital Sociology, 2013, Feb 27 [2014-01-04]

Using Twitter in university research, teaching and impact activities
A guide for academics and researchers by LSE Public Policy Group 2011 [2014-01-04]

Kuratieren, curation? | re-edit!

Kuratieren ist angesagt – nein, keine Ausstellung, sondern die Inhalte, die man im Web findet: Denn nicht mehr „content is king“, sondern „curation is king.“

Angesichts der Informationsfülle, die uns das Web bietet, gewinnt erst der Inhalt, der in einen Kontext gestellt ist, an Qualität. Auswahl, Bewertung und intelligentes Arrangement der Inhalte schaffen den gewünschten Mehrwert gegenüber einer ungeordneten oder bloß maschinell aggregierten Ansammlung von Informationen.

Plattformen wie storify, scoop.it unterstützen diese Formen aktueller Zusammenstellungen in Echtzeit, die via sharing weiter verbreitet und erneut in andere Kontexte gestellt werden: eine neverending story oder ein perpetual beta zieht seine viralen Kreise.

So liegt es nahe, dass ich auch meine Recherche zu „kuratieren“ im Web auf storify zusammengestellt habe.

reedit01

So sehr ich diese Form der Wissensaufbereitung und –verteilung schätze und für einen adäquaten Umgang mit den Inhalten, Strukturen und Prozessen des Web halte, so wenig vermag mich der Begriff des Kuratierens überzeugen.

  • Vielmehr erscheint mir die Rede vom Kuratieren als ein Versuch, neue mediale Prozesse mit einem alten Begriff zu umschreiben: dabei wird an Ähnlichkeiten angeknüpft, die auch im ersten Zug die Verständlichkeit des Neuen erleichtern, zugleich aber entscheidende Merkmale der aktuellen, neuen medialen Umgangsformen verfehlen.

Traditionell ist mit Kuratieren eine im Museums- und Ausstellungsbetrieb übliche und an fachliche Kompetenzen gebundene Praktik gemeint: das konzeptionelle Zusammenstellen und Gestalten einer Sammlung oder Ausstellung. Darin liegt die Ähnlichkeit zum Umgang mit Webinhalten.

Doch dann folgen auch schon die Unterschiede: Traditionell ist das Kuratieren auf die Präsentation in einen bestimmten Raum und/oder den Bestand einer Sammlung ausgerichtet, ihre Pflege und Verwaltung. BesucherInnen bleiben ZuschauerInnen oder interagieren innerhalb kuratorisch festgesetzter Grenzen. Auch im Fall einer Wanderausstellung geht es um eine möglichst identische Wiederholung der ursprünglich kuratierten Zusammenstellung.

Im Web hingegen ist die Anordnung der Inhalte auf Aktualität hin orientiert und offen für Prozesse des sharing, die viral verlaufen und mit der (globalen) Verbreitung auch das Verändern, das weitere Verwenden und erneute Zusammenstellen der Inhalte seitens der NutzerInnen einschließen. So lautet ein Vorschlag, in Bezug aufs Web von „curation“ und „curator“ zu sprechen, um diese Unterschiede zu verdeutlichen.

  • Ich bevorzuge den Begriff des re-edit. Denn hier steckt das Offene, das Verteilen, das Wiederverwenden, das erneute Anordnen und Herausgeben, wie es die Praktik im Web kennzeichnet, bereits im Wort.
  • Es geht um einen prinzipiell nicht geschlossenen oder abzuschließenden Prozess („perpetual beta“), der über sharing einen viralen Verlauf nimmt, copy and paste als Aneignungsformen zulässt – nicht als Plagiat – sondern unter CC Lizenz als transparente Nutzung bis hin zur Kollaboration.

Als eine auch in Film und Musik gebräuchliche Bezeichnung verweist re-edit gleichwohl nicht, wie das Kuratieren, auf eine traditionelle Profession, sondern auf eine Praktik im Umgang mit einem Medium. Im Fall des Web re-editieren UserInnen ebenso wie professionelle JournalistInnen. Die Qualität eines re-edit bemisst sich am Ausmaß des Aufrufens, („view“), sharing, Kommentierens und voting sowie weiteren re-edit des content seitens der UserInnen.

Linksammlung #kuratieren